Die Zugvögel

Hier stellen wir euch die 9 Zugvögel vor, die am 27. August im Mittelpunkt der Zugvogelmusik standen. Und wir gestehen: Wir haben uns verliebt. Nicht nur in die Vögel, die wir kennen gelernt haben und die wir auf der Bühne mit bewegenden Fotos vorgestellt haben, sondern auch in die großartigen Zeichnungen des Bremer Illustrators RENO LOTTMANN. Ihr könnt die Bilder mit einem Klick vergrößern. Viel Spaß beim Betrachten!

 

 Der Sanderling

Für diesen kleinen Strandläufer ist typisch, dass er meist schnell am Sandstrand entlang der Wasserkante läuft und dort nach etwas Fressbarem sucht. Dabei hat er den Wellengang stets aufmerksam und routiniert im Blick und muss nicht auffliegen, wenn eine Welle angeschwappt kommt. Er ernährt sich vorwiegend von kleinen Krebsen, Schnecken, Muscheln und Würmern, aber auch von Aas. Der Sanderling ist ein wahrer Kosmopolit; er kommt im Winter an fast allen eisfreien Stränden der Welt vor und ist damit einer der Zugvögel, der den Verbund der Strandlebensräume zwischen Nordeuropa und Südafrika mit Leben füllt und deutlich macht. Einer der Überwinterungsschwerpunkte des Sanderlings sind die Strände in Westafrika, zum Beispiel die der Côte d’Ivoire. Zum Brüten bevorzugt er die steinige Tundra des Nordens mit spärlicher Vegetation, wo er die Nähe zum Wasser sucht. Großer Aufwand zur Auskleidung des Nests wird nicht betrieben; ein paar Halme reichen. Oft hat ein Brutpaar sogar zwei Gelege, so dass es gleichzeitig auf den Eiern sitzen kann.

 

Die Schneeammer

Dieser kleinste unserer beim Konzert vorgestellten Zugvögel ist definitiv ein robustes Nordlicht. Er brütet in der offenen, steinigen Tundra von Island, Skandinavien und Grönland – und überwintert auch teilweise in diesen kargen Regionen. Viele dieser sperlingsgroßen Vögel ziehen im Winter aber auch an die Nord- und Ostseeküsten, wo sie ein reichhaltigeres Nahrungsangebot vorfinden. An den Sandstränden und Spülsäumen des Wattenmeeres teilt sich die Schneeammer oft mit Strandpiepern, Ohrenlerchen und Berghänflingen die gedeckte Tafel. Zusammen suchen die Singvögel nach Sämereien. Die Schneeammer ist in diesem Jahr der Titelvogel der 9. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, passend zum offiziellen Partnerland Island, woher Ragnheiður Gröndal kommt. Eine tolle Kombination, wie wir finden!

 

Die Nonnengans

Die Nonnen- oder Weißwangengans – beide Namen aus ersichtlichen Gründen zutreffend – ist eine kleine Gans mit schwarzem Hals und weiß-grauem Gefieder. Früher brütete sie fast nur an der russischen Eismeer-Küste. Sie verlagerte ihr Brutgebiet in den letzten Jahrzehnten aber beständig Richtung Süden und ist mittlerweile zunehmend als Brutvogel im Wattenmeer anzutreffen. Als Zugvogel pendelt die Nonnengans zwischen der Tundra in Nordrussland und ihrem Überwinterungsgebiet, dem Wattenmeer von Dänemark bis in die Niederlande. Dabei ist sie in sehr großen Reisegruppen unterwegs: Zu Stoßzeiten kommen schnell mal 50.000 Vögel zusammen und machen sich schnatternd auf den Weg. Die Nonnengans lebt vegan: Während der Brut frisst sie die Blätter und Sprosse arktischer Pflanzen, während des Zugs und Winters lebt sie von Gräsern wie Andelgras sowie Wintersaat.

 

Der Alpenstrandläufer

Einen großen Teil seines Lebens ist dieser Vogel auf Achse und pendelt zwischen Nord und Süd. Erstaunlich ist, wie ortstreu er auf dem Zug ist: Er erscheint fast auf den Tag genau an denselben Brut- oder Rastplätzen. Gebrütet wird in der Arktis, vereinzelt aber auch noch an Nord- und Ostsee, wo der Alpenstrandläufer früher viel häufiger als Brutvogel anzutreffen war. Alpenstrandläufer verstecken ihre napfartigen Nester ziemlich gut und teilen sich die Brutpflege. Wenn in ihren Brutgebieten die Nahrung, die aus Insekten besteht, knapp wird, machen sich die Vögel auf die Reise in ihre Überwinterungsgebiete, die von der Nordsee bis nach Westafrika reichen. Ein wichtiger Zwischenstopp ist dabei das Wattenmeer, das Nahrung, also Würmer, Schnecken und Muscheln, im Überfluss bietet. Auffällig ist das Flugverhalten der Vögel: Sie ziehen in dichten Wolken synchron über die Wattflächen. Der Alpenstrandläufer ist in der kühleren Jahreszeit aber auch in der Bretagne zu finden, wo Erik Marchand herkommt. Die Bretagne ist Frankreichs größte Halbinsel und liegt am ostatlantischen Vogelzugweg. Seinen Namen verdankt der Alpenstrandläufer übrigens deutschen Ornithologen, die ihn zu Beginn des vorigen Jahrhunderts in den lappländischen Alpen beobachtet haben.

 

Der Sandregenpfeifer

Für den Sandregenpfeifer ist das Wattenmeer, besonders der schleswig-holsteinische Teil, der wichtigste Rastplatz im gesamten Verbreitungsgebiet. Hier kann er sich mit kleinen Krebs- und Weichtieren sowie Ringelwürmern den Bauch voll schlagen. Bei der Nahrungsaufnahme verfolgt er einen Rhythmus, der aus schnellem Laufen, abruptem Stoppen und Picken besteht. Oft kommt es zum „Fußtrillern“, bei dem der Vogel auf der Stelle tritt und so Beutetiere an die Oberfläche lockt. Sein Zugweg führt den Sandregenpfeifer von den Brutgebieten in der arktischen Tundra über die Küsten Südwesteuropas bis an die westafrikanischen Küsten südlich der Sahara, wo er überwintert. Kamerun ist damit eins seiner bevorzugten Zweitheimatländer in der Sonne. Im Norden brüten die Vögel in Bereichen mit sehr kurzer, lückiger Vegetation oder an ungestörten Sand- und Kiesstränden. Da diese Lebensräume immer begrenzter werden, steht der Sandregenpfeifer in Deutschland als Brutvogel auf der Roten Liste und wird als vom Aussterben bedroht geführt.

 

Die Pfuhlschnepfe

Auch wenn es (noch!) kein Lied über die Pfuhlschnepfe gibt, waren ihr beim Zugvogelmusikkonzert drei Lieder gewidmet. Sie ist der Patenvogel von Polýnushka, denn ihre Reiseroute beginnt in Sibirien, wo sie brütet. Ihr Zugweg führt vorbei an Skandinavien und schließlich an die westeuropäische beziehungsweise westafrikanische Küste, je nachdem, zu welcher Vogelgemeinschaft die Tiere gehören. Sie kommen aber in jedem Fall am Wattenmeer vorbei und tanken hier Energie – in Niedersachsen bis zu 67.000 Vögel! Aufgrund ihrer Häufigkeit im Wattenmeer und ihrer beeindruckenden Langstreckenflug-Fähigkeiten ist die Pfuhlschnepfe der Symbolvogel der Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer geworden. Einige der Durchzügler bleiben gleich den ganzen Winter über am Wattenmeer und finden dank ihres langen Schnabels genug Futter im Watt. So können sie auch während der Rast schnell an Gewicht zulegen und sich für den Weiterflug (oder den Winter) stark machen. Trotzdem ist der Vogel in seinem Bestand stark bedroht und steht wie viele andere auch auf der Roten Liste gefährdeter Arten.

 

 

Die Brandseeschwalbe

Ob sie wegen ihrer feuergelben Schnabelspitze oder ihrem treffsicheren Stoßtauchen nach Nahrung in der Brandung so heißt, ist unklar. Allerdings weiß man genauso wenig, warum sie im Englischen „Sandwich Tern“ heißt. Egal! Die Brandseeschwalbe ist einer der erstaunlichsten Langstreckenzieher, denn es ist nachgewiesen, dass Tiere aus den Brutgebieten an der Nordsee zum Überwintern bis nach Südafrika fliegen – eine Strecke von etlichen tausend Kilometern! Aufgrund dieser Leistung ist sie auch der Symbolvogel für die Partnerschaft zwischen Niedersachsen und der Eastern Cape Province geworden. Die größte Brutkolonie im niedersächsischen Wattenmeer befindet sich auf Baltrum. Wenn die Vögel im zeitigen Frühjahr auf die ostfriesische Insel kommen, bringen sie Erlebnisse aus ihren Überwinterungsgebieten entlang der südeuropäischen und westafrikanischen Küsten mit. Auf spanische Tapas oder kongolesischen Stockfisch verzichtet sie dort bewusst und stürzt sich, wie auch im Wattenmeer, aus dem Flug heraus am liebsten auf kleine Schwarmfische.

 

Der Löffler

Um den Löffler müssen wir uns vorerst keine Sorgen machen: Der Brutbestand dieses mit den Ibissen verwandten, weißgefiederten Schreitvogels hat im Wattenmeer in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Der Löffler brütet in größeren Kolonien und legt seine Nester bevorzugt auf altem Schilf an. Mit seinem löffelartig verbreiterten Schnabelende und Pendelbewegungen des Kopfes kann der Vogel hervorragend seine Nahrung wie kleine Fische, Lurche, Krebs- und Weichtiere sowie Wasserinsekten aus dem flachen Wasser filtern. Die Löffler, die im niedersächsischen Wattenmeer brüten, ziehen ab August und September über die französische Atlantikküste bis nach Westafrika. Bevor sie das Mittelmeer überqueren, pausieren fast alle dieser Löffler an der südportugiesischen Küste und überwintern zum Teil auch dort. Der Löffler ist deshalb großer Fado-Fan!

 

Die Heringsmöwe

Dieser Vogel kommt besonders weit herum: Er fliegt locker vom ganz hohen Norden bis in den ganz tiefen Süden. Die Heringsmöwe – durch den dunkleren Rücken und die gelben Beine von der hier häufigen Silbermöwe unterscheidbar – brütet an Küsten und in Mooren von Russland bis Spanien. Dort baut sie ihre Nester in Dünen oder in anderen ungestörten Gebieten mit Vegetation. Sie lebt vor allem in Kolonien. Im Winter trifft man sie dort an, wo es auch viele deutsche Langzeit-Touristen hinzieht: in Spanien, Portugal und Marokko, aber auch in Mauretanien und im Senegal. Einige Populationen sind echte Langstreckenflieger und legen bis zu 7.500 Kilometer zurück. Die Heringsmöwe frisst alles, was Meer, Fischkutter, Grünland und Müllkippe so hergeben: Fische, Krabben, Fischereiabfälle auf dem Wasser, Regenwürmer und Insekten auf dem Land, aber auch organischen Abfall, wenn nichts anderes da ist. Im niedersächsischen Wattenmeer rasten während der Zugzeit bis zu 26.000 Heringsmöwen. 

Illustrationen: Rene Lottmann

 

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